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Matthias W. Birkwald

Weiterkämpfen, IG Metall!

09.06.2016

Die IG Metall feiert ihr 125jähriges Bestehen. In ihrer wechselvollen Geschichte blickt sie auf große Erfolge und bittere Niederlagen zurück. Im größten Industriegebiet Europas lebten einst Hunderttausende von der Stahl- und Metallproduktion. Heute sind besonders die Menschen im Ruhrgebiet mit der Massenvernichtung von Arbeitsplätzen und der Ausbreitung von Armut konfrontiert.

Matthias W. Birkwald war als Vertreter der LINKEN im Bundestag bei der Feier in der Frankfurter Paulskirche dabei. Der Kölner Bundestagsabgeordnete ist seit seiner Studienzeit Mitglied der IG Metall und wirft einen Blick auf ihre Erfolge und aktuellen Aufgaben.

Am Samstag, dem 04. Juni 2016 warst Du dabei, als die Industriegewerkschaft Metall ihr 125jähriges Bestehen in der Frankfurter Paulskirche mit einem Festakt gefeiert hat. Warst Du politischer Gast oder bist Du selbst Metaller?

Matthias W. Birkwald: Beides. Ich bin seit bald 30 Jahren Mitglied der IG Metall. Zum Festakt war ich jedoch als Obmann der LINKEN im Ausschuss für Arbeit und Soziales und als Rentenpolitischer Sprecher der LINKSfraktion im Bundestag eingeladen. In die IG Metall bin ich 1986 als Student eingetreten, weil die IG Metall einen klaren Klassenstandpunkt vertrat und ich Arbeits-, Berufs-, Betriebs- und Industriesoziologie studierte und davon ausging, später mal im Organisationsbereich der IG Metall zu arbeiten. Es war gar nicht so leicht, als Student einzutreten und es brauchte ein wenig Überzeugungskraft, dass mein Wunsch, die stärkste Organisation der Arbeiterklasse aus der Universität heraus unterstützen zu dürfen, dann mit dem Erhalt des Mitgliedsausweises Wirklichkeit wurde. Heute halte ich in Köln und Berlin Kontakt zur IGM. Ende Juni werde ich einen ganzen Tag mit den kämpferischen Kölner IG Metall-Senior*innen verbringen. Darauf freue ich mich schon.

Die IG-Metall galt lange als besonders kämpferisch und durchsetzungsstark. Welche Auseinandersetzungen verbindest Du damit?

Matthias W. Birkwald: Gute Arbeit und ein gutes Leben – dafür kämpft die IG Metall seit ihrer Gründung. Die sechs Wochen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, sechs Wochen Jahresurlaub und vor allem die Einführung der 35 – Stunden – Woche sind große Erfolge, die ich mit der IGM verbinde.

Historisch haben die Gewerkschaften vielfach mit ihrer Doppelrolle als Sozialpartnerinnen und Kämpferinnen für grundlegende Lebensverbesserungen der Beschäftigten gerungen. Wie siehst Du dabei heute die IG Metall?

Matthias W. Birkwald: Im Kern immer noch in dieser Doppelrolle. Jetzt geht es darum, die Tarifbindung der Betriebe zu erhöhen, mehr junge Menschen, Frauen und Angestellte als Mitglieder zu gewinnen und den Wandlungen im Produktionsprozess hin zu einer immer digitalisierteren Arbeitswelt - genannt Industrie 4.0 - u.a. mit Initiativen für mehr Zeitsouveränität und Selbstbestimmung der Beschäftigten zu begegnen. Zu Industrie 4.0 muss der Sozialstaat 4.0 gehören! Leiharbeit und den Missbrauch von Werkverträgen knallhart zu regulieren, bzw. zu verhindern, sind zum Beispiel aktuelle Aufgaben der IG Metall. Und die für mich Wichtigsten: Zum Einen höhere Entgelte und zum Anderen sollte die IG Metall sich mit all ihrer Kraft für ein deutlich höheres gesetzliches Rentenniveau einsetzen, das den Lebensstandard der Beschäftigten im Alter wieder sichert. Ich freue mich auf die Rentenkampagne der IG Metall. Die IG Metall und DIE LINKE lehnen gemeinsam Entwicklungen hin zu arbeitenden Rentner*innen und zu rentenberechtigten Arbeiter*innen ab. Malochen bis zum Tode? Dazu sagen LINKE und IG Metall NEIN! Wir haben ein gemeinsames Ziel in der Rentenpolitik. Höhere Renten. Darum: Rauf mit dem Rentenniveau!

Erschienen im Linksletter der LINKEN NRW.