DIE LINKE
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Matthias W. Birkwald

LINKEN-Abgeordnete informieren sich über Lage bei Burger King

31.10.2013
Niels-Holger Schmidt

Wie berichtet " Facebook: Klatsche für den Burger-König" überzieht der Bulettenbräter Burger King Betriebsräte derzeit mit einer Klageflut. Über die Lage beim „Bratklops-König“ und anderen Firmen der Systemgastronomie informierten sich am 28. Oktober die LINKEN Bundestagabgeordneten Ulla Jelpke und Matthias W. Birkwald bei Betroffenen. Eingeladen hatte die Fachgruppe Systemgastronomie der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Dortmund.

„Wir wollen endlich menschlich behandelt werden“, fasste eine langjährige Beschäftigte einer Fast-Food-Kette ihre Erwartungen zusammen. Zuvor hatte sie berichtet, dass der Druck auf die Beschäftigten zum Teil unerträglich sei.

Link: Facebook: Klatsche für den Burger-König
Ab einem gewissen Alter werde versucht, Beschäftigte aus dem Betrieb zu drängen. Hintergrund ist nach Worten von NGG-Sekretär Manfred Sträter, dass so das Aufsteigen von Mitarbeitern in höhere Tarifgruppen vermieden werden soll. So spart der Arbeitgeber nach dem Tarifvertrag je Beschäftigtem Das spart dem Arbeitgeber pro Beschäftigtem 70 bis 80 Cent in der Stunde.
Deshalb ist von einer hohen Zahl von Hartz-IV-Aufstockern in der Systemgastronomie auszugehen. Möglich wird diese Personalpolitik „Modell Drehtür“ durch den massenhaften Einsatz befristeter und geringfügiger Arbeitsverhältnisse. Deren Anteil liegt nach Erfahrungen der Betroffenen und ihrer Gewerkschaft zum Teil 80 bis 90 Prozent.
Ergebnis: Etwa 90 Prozent der Beschäftigten kommen über die untersten drei Lohngruppen, in denen zwischen 7,71€ und 8,55€ gezahlt werden, nicht hinaus. Selbst die Tarifgruppe 3 mit 8,55€ Stundenlohn bleibt die Ausnahme. Auch der unlängst eingeführte Ausbildungsberuf „Fachmann/-frau für Systemgastronomie“ trägt nicht zur Verbesserung bei. „Der ist mit einer Durchfallquote von 40 Prozent eher ein Mittel zur Ausbeutung, als ein Einstieg in den Arbeitsmarkt“, sagte Sträter.
Viele der rund 60 Azubis in Dortmund würden als noch billigere Arbeitskräfte eingesetzt. Ein Azubi im 1. Jahr bekommt gerade 670€, während ein normaler Vollzeit-Beschäftigter in der untersten Lohngruppe 1.268€ Brutto erhält.

Im Falle Burger King berichteten Betroffene von einer massiven Klagewelle gegen Betriebsräte, seit im Mai Ergün Yildiz 91 Burger King-Restaurants übernommen hat. „Da werden Verfahren um der Verfahren willen geführt“, so Sträter. Ziel: die Zermürbung der Betroffenen.
Ferner gibt es Unregelmäßigkeiten bei den Lohnzahlungen seit der Übernahme. „Das Geld kommt oft etwa eine Woche zu spät. Wir bezahlen Rechnungen seit Monaten nur noch nach Mahnungen. Und dann muss man sich von Vorgesetzten noch anhören, man könne nicht mit Geld umgehen“, so ein Beschäftigter.

Angesichts einer solchen Praxis verlangte Sträter stärkere Kontrollen und härtere Strafen: „Wer mit Rechtsbruch sein Geschäft betreibt, darf daraus keinen Profit schlagen!“, so der Gewerkschaftssekretär. Seine Kollegin Zayde Torun erläuterte, dass viele Angestellte sich aus Furcht vor Repressionen nicht trauen, ihr Recht einzufordern: „Deshalb ist es dringend geboten, kollektive Klagen durch ein Verbandsklagerecht zu ermöglichen“, sagte sie.

Das unterstützten die beiden LINKEN-Abgeordneten. Sie regten ferner ein Hearing in Berlin über die Behinderung von Betriebsrätearbeit in der Systemgastronomie und anderen Branchen an. Ulla Jelpke kündigte außerdem an, dass DIE LINKE die systematische Verletzung des Betriebsverfassungsgesetzes durch Arbeitgeber etwa durch Anfragen an die Regierung thematisieren will. Matthias W. Birkwald erläuterte die gerade von der LINKSFRAKTION ergriffenen Initiativen für einen gesetzlichen Mindestlohn und die Abschaffung sachgrundloser Befristungen von Arbeitsverträgen. Schließlich luden die Abgeordneten die Beschäftigten zu einem Besuch des Bundestages ein. In einem Jahr soll es ein weiteres Treffen mit der Fachgruppe geben.

Veröffentlicht im Linksletter-NRW am 31.10.2013 www.dielinke-nrw.de/nc/politik/linksletter/linksletter_nrw_artikel/detail_ll/zurueck/linksletter-aktuell-2/artikel/linken-abgeordnete-informieren-sich-ueber-lage-bei-burger-king/